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Tag 30 – 32: Das mit den Drogen und der Polizei

Gesagt getan: Der Besuch beim VW-Mechaniker stand an. Wir erwarteten Schlimmes als der Mechaniker die Motorhaube öffnete und erstmal die Worte „Wos is n des“ aus seinem Mund kamen. Das lag aber keineswegs daran, dass er inkompetent war oder wirkte, nein es war nur einfach eine falsche Lichtmaschine im VW Bus verbaut und leider war diese schon so alt, dass man die Seriennummer nicht mehr lesen konnte. Also blieb nur die Wahl zwischen neu-neuer Lichtmaschine und neu-gebrauchter. Wenige Handgriffe später und 200€ leichter verabschiedeten wir uns auch schon wieder. Wir hatten keinen wirklichen Zwischenstopp mehr vorgesehen (weil uns die vielen Stadtbesichtigungen der letzten Tage auch schon etwas auf die Nerven gingen) und versuchten daher einfach Meter (oder eher Kilometer) zu machen. Richtung Österreich. Doch mit dem folgenden hatten wir dann nicht gerechnet. Irgendwo in Bayern auf der Autobahn überholte uns eine Polizeistreife, schaute auffällig deppat zu uns herein und forderte uns dann auf ihnen zu folgen. Die Standard-Fahrzeugkontrolle mit Papieren, Pannendreieck, Erste-Hilfe-Zeugs und Warnweste war ja noch okay, aber als sie Alex dann zum Drogentest aufforderten wurde es komisch. Wir hielten erst kurz vorher bei einer Raststation was das mit dem Urin-Test deutlich erschwerte. Nach nicht ganz einer Stunde standen wir noch immer bei der Autobahn-Tankstelle. Die Polizist*innen verhielten sich dabei durchwegs unprofessionell. Wir wurden geduzt und mit lächerlichen Polizeimaschen konfrontiert. Zumindest durfte ich aber auch mal einem Polizeiauto zum Revier hinterherfahren, wo Alex dann schlussendlich doch den Urin-Test durchführen konnte der erwartungsgemäß negativ ausfiel. Wachgerüttelt von dieser vollkommen unnötigen Aktion wurde noch ein paar Kilometer gefahren und dann irgendwo in einem Industriegebiet halt gemacht.f1019877672

Der letzte Stopp vor Wien war unser nächstes Ziel. Noch einen Tag Entspannung (vor allem nach den gestrigen Ereignissen) vor dem Großstadtgetummel tat uns beiden gut, also hielten wir in Gmunden um uns noch ein bisschen die Stadt zu erkunden und am See zu chillen (wie man das im coolen Jungendslang ja so sagen muss). Obwohl ich mich fürchterlich über die Kommerzialisierung des Sees (Schwimmen war nur im Bad mit Eintritt erlaubt) beschwerte war es ein recht entspannter Tag.

Letzte Etappe. Letztes Mal Zusammenpacken. Letztes Mal Wasservorräte auffüllen. Ab nach Wien. Fast wären wir enttäuscht gewesen wenn es nicht auch auf dieser Strecke zumindest ein bisschen geregnet hätte, aber nur fast, der Wettergott hätt’s ruhig auch sein lassen können. Auf den letzten Metern vor meiner Wohnadresse nochmal ein kurzer Schock: Dreißiger Zone, Polizist*innen mit Radar, wir werden rausgewunken. Aber alles ist gut gegangen. Nur eine Standard-Fahrzeug-Kontrolle und das zum Glück diesmal ohne Drogentest. Und dann war es auch schon vorbei. Nach 4,5 Wochen auf der Straße fühlt sich das „heimische“ irgendwie fast wieder fremd an.

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Tag 27 – 29: Wenn einem der Kaffee verweigert wird und was der Gaskocher damit zu tun hat

Der 27. Tag begann mit einer großen Enttäuschung. Unser heißgeliebter „husholdningssaft“-Verdünnungssaft war leer geworden und musste entsorgt werden. Das Relique aus norwegischen Zeiten wurde also feierlich bei einer Zeremonie der Plastiktonne zugeführt. Um auch noch die Stadt Goteborg selbst erkunden zu können suchten wir uns einen Parkplatz in der Innenstadt, da unser Stellplatz doch deutlich außerhalb lag und ja heute für die Saison zusperrte. Durch die Parkuhr zeitlich beschränkt gerieten wir unglücklicherweise genau in eine Regenfront hinein, was die Zeit der Besichtigung erheblich einschränkte, daher kann ich nur so viel sagen: Das was wir gesehen haben war schön. Goteburg, Daumen hoch (außer für’s Wetter!). Nächster Halt: Malmö. Obwohl wir zuerst nicht so wirklich wussten ob wir uns die Stadt tatsächlich anschauen wollen, erwies es sich als richtig dies zu tun. Obwohl dort irgendwie nichts los ist, ist es eine nette Stadt vor allem mit einer schönen Innenstadt/Altstadt. Der durch Stadtbesichtigungen geprägte Tag endete nach der Überfahrt der Öresundbrücke an einem Hafen in Kopenhagen. Dort war nämlich ein Stellplatz für Campingbusse vorgesehen, der nur über einen Automaten funktioniert und bei dem man eine Chipkarte für den Zutritt zu WC und Dusche bekam. Sehr absurd, aber es hat alles funktioniert, Automatisierung Olé!

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Die für den Morgen anberaumte Kopenhagen Stadtbesichtigung begann (wie sollte es auch anders sein) im Regen. Obwohl sich das Wetter mit der Zeit besserte konnte uns die Stadt nicht so wirklich überzeugen. Spielt sich eher in der Liga „Okay“ ab, aber mehr ist von meiner Seite (zumindest bei diesem Kurz-Besuch) nicht drin. Nachdem wir die zum über die Nacht geladenen Batterien wieder im Auto verstauten, ging es erstmal in dieser Reise wieder in Richtung deutschsprachiges Gebiet. Next Stop: Hamburg. Meiner abermaligen Unfähigkeit der Koordination (mir fällt grad erst auf, mir ist das irgendwie öfter passiert) zuschulden, fuhren wir über eine Fähre und nicht wie ursprünglich geplant über eine Brücke. Etwas vom Preis geschockt beruhigte ich mich später zumindest damit, dass auch die Brück einiges gekostet hätte und es nicht wirklich so viel Unterschied gemacht hätte, da die Strecke über die Brücke auch noch einige Kilometer länger gewesen wäre. Spät aber doch kamen wir in der deutschen Hafenstadt an um auf dem Wohnmobilhafen die Nacht zu verbringen. Doch alles lief ein bisschen anders als geplant und der Wohnmobilhafen war voll, was uns dazu zwang gemeinsam mit einigen anderen Bussen und Wohnmobilen auf öffentlichen Parkplätzen daneben stehen zu bleiben. Dieser Umstand „zwang“ uns auch dazu das erste mal auf der Reise „essen zu gehen“ (ist blöd wenn man mitten auf der Straße den Gasgriller ausßackt) was deutlich nobler klingt als es tatsächlich war: Es war einfach ein McDonalds direkt daneben.

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„Jetzt ist’s auch schon egal“, dachte ich mir am nächsten Morgen und versuchte von eben jenem McDonalds auch noch Kaffee und Kakao zu organisieren. Das klingt jetzt einfacher als es tatsächlich war. Da wir aus Nicht-Euro-Ländern kamen hatte ich kein Bargeld dabei, die Bankomatkarte wurde erst ab 5 Euro genommen und als ich versuchte meine Bestellung so zu verändern, dass ich auf 5 Euro komme, ging die Bedienung mindestens 3 mal weg weil sie auch noch für’s Drive-In zuständig ist. Ich wusste wieder warum ich den Dreckladen sonst nie besuche und ging einfach. Ohne Kaffe und Kakao :( Dafür war aber die Hamburger Innenstadt sehr ansehnlich. Hafen, Gebäude und der Freitag-Shop konnten sehr überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns so halbwegs sicher, dass unsere Batterieprobleme an einer defekten Batterie lagen und nicht an der Lichtmaschine, da wir mittlerweile über 1500 km ohne Probleme unterwegs waren. Doch als Alex dann auf die Idee kam die Lichter doch mal wieder auszuprobieren, wurden wir eines besseren belehrt. Plötzlich fingen Anzeigen an herumzuspinnen und Lichter an zu blinken (ich glaub es haben nicht wirklich Lichter geblinkt, aber das klingt cooler). Der für den nächsten Tag vorgesehene Besuch in einer VW-Werkstätte war also tatsächlich dringen nötig.

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Tag 24 – 26: Wer das rote Lamperl nicht ehrt ist das Starterkabel nicht wert

Unseren Wasservorrat (der eigentlich durchwegs einen problematischen Stand hatte) versuchte ich am Morgen des 24. Tages mit vollem Klettereinsatz (ich verbuche das als Morgensport) nochmals aufzufüllen, was nur von mäßigem Erfolg gekrönt war, da die Wasserqualität des Baches neben der Landstraße (wer hätte damit gerechnet!) nicht gerade die beste war. Doch das sollte das am wenigsten schockierende Ereignis dieses Tages sein (Dieser Spannungsbogen!). Einige Kilometer waren wir wieder auf der Straße als das rote Lamperl der Batterie-Kontrolleuchte zu leuchten begann. Bisher hatte der Bus bis auf einen kaputten Scheibenwischer und ein paar Probleme mit dem Gaspedal gut durchgehalten, aber dieses kleine verdammte Lamperl zauberte uns dann doch Sorgenfalten auf die Stirnen (ja ich hab nachgeschaut das ist die Mehrzahl von Stirn, glaubt mir!). In Oslo angekommen wo wir unabsichtlich erfreulich (danke unfähige Gregor-Koordinations-Skills) den Holmenkollen besuchten, versuchten wir verzweifelt die Batterie über eine Solarzelle durch den Zigarettenanzünder zu laden. Keine Ahnung ob’s funktioniert hat, aber es hat auf jeden Fall lustig ausgesehen! Nachdem wir es nach der Holmenkollen-Besichtigung doch noch zu dem ursprünglich vorgesehen Parkplatz, zumindest nicht ganz so weit außerhalb geschafft hatten, versuchten wir uns gegen Abend hin auch noch an der Stadt Oslo selbst zu erfreuen. Die sehr moderne Olsoer Innenstadt erkundeten wir wie üblich mit einer gratis Stadtkarte in der Hand. Oslo ist auch eine der Städte unserer Tour die ich auf die Liste „Gerne mal wieder“ setzen würde. Wirklich schönes Stadtbild mit viel Wasser. Essen – Schlafen – Fertig!

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Am nächsten Morgen begrüßten uns erstmal ein halbes Dutzend Feuerwehrautos die sich direkt neben unseren VW Bus stellten. Dort fand zu der Zeit offenbar irgendein größeren Jugend-Fußball-Turnier statt. Wir schauten also, dass wir möglichst schnell von dort wegkommen, nicht dass sich da womöglich noch Polizei hinter die Feuerwehrautos stellt und wir erklären müssen was wir hier eigentlich machen. Kurz darauf: Partystimmung. Wir tanzten herum, kreischten und machten eine Flasche Sekt auf. Ok ganz so war es auch wieder nicht, aber das rote Lamperl ging zumindest erstmal wieder aus (wenn wir gewusst hätten, dass es wenig später wieder angeht hätten wir uns wohl nicht so gefreut). Wir waren am Weg nach Stockholm als wir an einer Autobahnraststätte hielten (so beginnen alle Horror-Geschichten). Als Alex versuchte den Bus nach der verdienten Pause wieder zu starten, ging nix mehr. Also gar nix mehr. Der Bus machte nichtmal einen Laut. Nach einem kurzen Anfall der Ratlosigkeit und Verzweiflung wurde mit der Reservebatterie angestartet und es ging wieder auf die Straße. Also bis die Batterie nach einigen dutzend Kilometern wieder w.o. gab. Mitten auf der Straße. Bei etwa 100 km/h sprang einfach der Motor ab. Pannendreieck raus, Warnwesten an, Reservebatterie raus, Starterkabel raus, Anstarten, Weiterfahren. Wir suchten den nächstgelegenen Campingplatz. Der Plan: Batterien aufladen und dann irgendwie nach Deutschland durchkommen, denn dort können wir uns die Mechaniker wieder leisten und es ist auch einfacher eine neue Lichtmaschine zu bekommen (was der wahrscheinlichste „Point of Failure“ war). Der Campingplatz hatte auch noch ein paar Plätze frei, allerdings keine mit Strom. Noch ein bisschen mehr verzweifelt schlurften wir zum VW Bus zurück den Alex vorsichtshalber rennen hatte lassen. Als Alex den Gang einlegte um weiterzufahren stürzte er ab, sprich: Nochmal anstarten. Es waren nur mehr ein paar hundert Meter bis zum nächsten herausgesuchten Campingplatz. Wir rollten auf eine Kreuzung hin, die Ampel wurde rot, der Bus wurde leiser und leiser und leiser und (surprise!) starb ab. Selten war ich über die Gelassenheit von Menschen so verwundert wie über jene des Autofahrers hinter uns als er sah wie ich plötzlich im Stadtverkehr bei einer Kreuzung aus dem Auto sprang um eine Reservebatterie und Starterkabel herauszuholen um schnellstmöglich den Bus wieder anstarten zu können. Dass der Bus wenige hundert Meter vor dem Campingplatz nochmal abgestorben ist, ist kaum noch erwähnenswert, aber immerhin hatten wir einen Platz mit Strom. Wir müssen zu diesem Zeitpunkt schon sehr verzweifelt ausgesehen haben, da uns ein junger hilfsbereiter Kölner schon mit Starterkabeln in der Hand am Stellplatz begrüßte. Kurzer abendlicher Spaziergang und ab in die Schlafsäcke, nach diesem Tag.

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Die für den nächsten (bzw. diesen) Tag eingeplante Stadtbesichtigung war dann doch noch ein bisschen überschatten von den Ereignissen des Vortages. Nachdem wir noch mit dem Kölner (mit den Starterkabeln von gestern) frühstückten versuchten wir trotzdem diese an sich wunderschöne Stadt zu genießen. Obwohl uns in der örtlichen Tourist*innen Information versucht wurde teure schwedische Luft in Dosen zu verkaufen, hinterließ die Stadt einen insgesamt sehr positiven Eindruck und kommt auch auf die „Gerne mal wieder“-Liste. Mit frischgeladener und neu eingebauter Reservebatterie setzten wir die Segeln (also nicht wirklich aber ihr wisst schon) in Richtung Göteborg mit der Hoffnung, dass wir nicht wieder irgendwo am Pannenstreifen stehen bleiben müssen. Die internationale Pannenhilfenummer des ÖAMTC hatte ich zu diesem Zeitpunkt übrigens schon herausgesucht und griffbereit. Aber wir hatten Glück und erreichten Göteborg ohne Probleme. Und wir hatten eigentlich doppelt Glück weil der Stellplatz den wir uns herausgesucht hatten genau am nächsten Tag zusperrte (was online nirgends herauszufinden war). Genussvoll und in Ruhe verspeisten wir unser Abendessen (es war vermutlich Pasta) während die Abendsonne hinter den Bäumen verschwand (ja mittlerweile ging die Sonne auch wieder unter).

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Tag 20 – 23: Regen, Touri-Stuff und Regen

In dem Gespräch mit den VW-Bus-Platznachbar*innen (aja Tag 20 haben wir übrigens grad) fanden wir auch heraus, dass unser nächstes Ziel angeblich gar nicht mal so toll sein soll. Kristiansund ist eigentlich eines der bekannteren Ziele in der Gegend, daher traten wir trotzdem den Weg dorthin an. Was soll ich sagen: VW-Bus-Fahrer*innen kann man ruhig vertrauen (auch wenn sie sich den Erzählungen nach hin und wieder aus dem Gefährt aussperren). Ein bisschen Weg und eine Mini-Fähre trennten uns von der wohl langweiligsten Stadt unserer Route bisher. Das interessanteste dort waren die zwei Frauen die dort am Wasser saßen und ein Interview auf Englisch führten (mich hätte aber wirklich interessiert worums da ging. Beim Vorbeigehen hab ich nur mitbekommen, dass sie gerade Guiness Bier gelobt hat… warum auch immer…). Na gut noch schnell eine Kleinigkeit essen und dann wieder weg aus dieser Geisterstadt. Fähre Nummer 2 stand an dem Tag am Programm und eines muss man den Norweger*innen lassen: Fähren können sie. Extremst schnelle Abwicklung und kaum Wartezeiten, also wirklich: An einer wiener Bushaltestelle warte ich länger (teilweise sogar wenn ich pünktlich dort bin). In den späteren Nachmittagsstunden stellten wir unseren T3 dann noch vor eine kleine Herausforderung.  Elf Haarnadelkurven, über 400 Höhenmeter, etwa 12% Steigung. Es geht auf die Trollstigen, eine der bekanntesten Touri-Strecken Norwegens, zumindest laut Wikipedia (immer wenn ich sowas schreib hör ich meine ehm. Englisch-Professorin „Wikipedia ist keine Quelle!!!“ in meinem Kopf schreien). Und nachdem ich das grad so wunderbar überdramatisiert hab, muss ich euch mitteilen, dass es kein ernsthaftes Problem bei der Rauffahrt gab, auch wenn uns eine (offenbar österreichische Touristin) oben noch nach einem Foto fragte, weil sie nicht glauben konnte, dass Wiener mit diesem Auto da raufgefahren sind. Dicke Nebelschwaden wogen uns daraufhin behutsam in den Schlaf.

f1006364104f1009706312Trollstigen beheimatet allerdings nicht nur jeden Tag viele Touristen, sondern auch dauerhaft schöne Wanderwege und so machten wir uns auf um (trotz eher mieser Wetterprognose) zumindest ein paar Höhenmeter zu erklimmen. Ein relativ steiler Weg führte an unzähligen aufeinander balancierten oder aufgestapelten Steinen vorbei und mündete schließlich in einem hochgelegenen Tal mit See zwischen mehreren Bergen. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen wir aufgrund der Wetterlage umzudrehen, und außerdem hatten wir schon Schnee gesehen (und der Hund darin gespielt), wie viel besser soll’s also noch werden? Wieder im Tal mussten wir feststellen, dass sich nichtmal der vor uns geparkte grüne Tesla als Glücksbringer erweisen sollte, was das Wetter angeht. Dauerregenvorhersagen trieben uns dazu erstmal eine Routen-Ad­jus­tie­rung vorzunehmen. Neues Tagesziel: Kilometer machen. Einen Zwischenstopp in der Pampa (aber diesmal schöne Pampa! wenn auch mit schlechtem Wetter) und noch ein paar Kilometer später hielten wir irgendwo neben der Straße vor allem weil auch der Hunger an dem Tag schon etwas ausgeprägter war. Am Speiseplan: Linsen mit Zwiebeln, die allerdings im Endeffekt mehr Zwiebeln mit Linsen waren (wenn im Rezept steht 1 große Zwiebel, sollte man halt nicht 2 kleine Zwiebeln plus eine große Zwiebel hineinschneiden, ProTipp!). Obwohl wir brav aufgegessen hatten, besserte sich das Wetter auch am Abend nicht, aber zumindest waren wir satt.

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f1004183368Next Stop: Flåm. Diesen recht eigenwilligen Namen trägt jenes Stück Land, welches ich wohl als das Touri-geprägteste überhaupt bezeichnen würde. Während unserer gesamten Anwesenheit (die zugegeben nicht allzu lang war) konnte ich nicht herausfinden, wieso hier so viele Tourist*innen sind. Also wirklich überall! Und im Hafen standen 3 Kreuzfahrtschiffe. Drei! Bei einer Stadt mit rund 450 Einwohner*innen. Okay, der kurze Rund“wander“weg mit mittendrin platzierten Satellitenschüsseln war ganz nett aber dann war da halt ein Eisenbahnmuseum daneben welches mit dem offensichtlichstem Touri-Loch-Slogan überhaupt warb: „One of the world’s most beautiful train jouneys.“ Vermutlich bin ich aber auch einfach der einzige der sich über sowas aufregen kann und vielleicht (aber nur vielleicht) ist dieser Eindruck auch noch ein bisschen davon negativ behaftet, dass es im örtlichen Supermarkt Erdäpfeln gab die in Alu verpackt waren und dann nochmal in Plastik. Die Verpackkultur der Norweger*innen ist wirklich eine eigene. Einerseits stehen überall in den Supermärkten Geräte zum Selbstabfüllen von diversen Produkten und andererseits sind Lebensmittel dann doppelt und dreifach verpackt. Aber es war nicht alles schlecht an Tag 22. Zumindest haben wir den besten Verdünnungssaft ever entdeckt: „husholdningssaft“. Und nein, er schmeckt nicht wie Hustensaft (auch wenn ich den auch mag). Dieser Donnerstag der 26. Juli endete wie er begann, auf einem kleinen Parkplatz neben einer Straße. Diesmal allerdings direkt an neben einem öffentlichen Strand und mit einer Toilette (die man eigentlich nicht so nennen sollte, aber… )

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Unabsichtlich verschwiegen blieb bisher, dass wir uns mittlerweile nicht unweit entfernt von Bergen befinden. Jener für (zumindest für Deutschsprachige) unkreativ benamsten Stadt die für ihr regnerisches Wetter bekannt ist. Wie schön ironisch wäre es gewesen wenn wir gerade dort keinen Regen gehabt hätten, aber das sollte leider nicht sein. Nachdem mich das Ticket-System der Tourist*innen Information dezent überforderte gingen wir nicht 100% perfekt gebrieft (aber immerhin mit 5 Snapchat Geo-Filtern bewaffnet) in die Stadtbesichtigung hinein. Die doch sehr stark irritierenden Hunde-Park-Zwinger (man zahlt pro Minute) bei einem Einkaufszentrum lenkten zwar nicht von der sehr ansehnlichen Stadt ab, der ständige Regen machte die Aktion trotzdem zu einem recht anstrengenden Unterfangen. Aufgrund der strengen Parkbeschränkungen und der teuren Parkpreise hatten wir allerdings sowieso nicht sonderlich viel Zeit für die Besichtigung eingeplant was dazu führte, dass wir uns wenig später im bergischen Ikea (ohne Berge) wiederfanden. Zumindest unser auf mysteriösen Wegen verloren gegangenes (ich bin mir zu fast 85% sicher, dass ich es nicht war) Schneidebrett konnten wir gleichwertig ersetzen, was den Mittagessen-Komfort (Brot mit Auflage und Saucen) unverzüglich massiv steigerte. Gut gestärkt traten wir den Weg nach Oslo an in dem Wissen, dass wir es dort heute nicht mehr hinschaffen wurden. Unzählige Autobahn-(oder vielleicht doch Landstraßen-)Kilometer später ist das Zufahren in die nächste Autobahneinbuchtung (die zumindest halbwegs für eine Übernachtung geeignet war) zu später Stunde die nächste und auch letzte Erinnerung die ich an diesen Tag noch ausgraben kann.

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Tag 17 – 19: Street Art und VW-Bus-MeetUp

Der Tag in Henningsvear begann – wären wir in den ersten Tagen der Reise würde ich schreiben selbstverständlich – mit der Stadtbesichtigung, allerdings nicht bevor wir kilometerweit (eher ein paar hundert Meter) in der Stadt herumirrten um einen Mistkübel zu finden. Hauptsache ein Glasmüllcontainer stand direkt neben dem Stellplatz, aber wer braucht auch schon einen Restmüllcontainer… auf einem Wohnmobil-Stellplatz… absurd! Jedenfalls: Nachdem diese Hürde überwunden war, erkundeten wir das kleine Städtchen, welches übrigens nur über jene bereits zuvor angesprochene lange und enge Straße zu erreichen ist. Zwischen Meer, Felsen und Bäumen erstreckte sich da beispielsweise ein Fußballplatz quer über einen Teil der Insel. Auch riesige leere Holzkonstellationen schienen dort gänzlich normal zu sein. Wozu sie da sind, blieb uns vorerst noch unbekannt, aber sie stehen dort zumindest rum, und zwar viele. Auf unserem Weg zum äußersten Spitz der Lofoten Å (ja ich weiß dass sich das doof liest, aber die Stadt heißt so, was soll ich denn machen?!) hielten wir noch an einem der zahlreichen Seen (oder Buchten, manchmal weiß man das ja nicht so genau) um unser Mittagessen zwischen Bergen und Wasser zu genießen. (Auch wenn sich das fancyer anhört als es eigentlich ist, unser Mittagessen war nämlich – wie üblich – Brot mit Käse/Wurst plus Ketchup/Majo/Senf). Doch das alles macht nicht so viel aus wenn man von der wohl beeindruckendsten Landschaft umgeben ist, die ich in meinem Leben bisher gesehen habe (wenn die nur halb so gut geschmeckt hätte, wie sie ausgesehen hat, hätt ich sie sofort aufgegessen). Da uns die unregelmäßigen Lichter in den Tunnels sowie die relativ langweilige Stadt Å plus (vor allem) die gut gebuchten Fähren in den Hauptzeiten etwas abschreckten, beschlossen wir noch am selben Abend mit der Fähre Kurs auf Bodo zu nehmen. In der Fähren-Warte-Schlange schockte uns noch ein Vater mit Sohn, der stolz von einem dreiviertel Jahr Vorbereitungszeit für die Reise erzählte. Unsere Reiseplanung bestand mehr daraus Punkte in Google Maps einzuzeichnen und aufgrund dieser dann die Route festzulegen. Vollkommen verunsichert (nicht wirklich aber…) brachen wir dann noch die (nicht allzu) lange Fährenfahrt nach Bodo an um uns anschlißend etwas außerhalb der Stadt auf einen riesigen leeren Parkplatz zu stellen.

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Da wir aufgrund der späten Ankunftszeit am Vortag (nicht wirklich, da wird’s nicht dunkel) nicht mehr viel von der Stadt sahen, stand die Erkundung für diesen Tag an, allerdings nicht bevor wir noch das bestriechendste (vollkommen unironisch) Plumpsklo ever besuchten, welches direkt am Rand des riesigen leeren Parkplatzes zu finden war. Vor dem Touri-Anschau-Teil des Tags absolvierten wir allerdings noch eine weit herausforderndere Aufgabe: Den Einkauf in einem „Coop obs! Hypermarket“. Ich sag’s mal so: Das war ein Elektronik-Markt, Ein Küchen-Geschäft, ein Blumen-Laden, Bettenreiter, ein Bauhaus und ach ja ein Supermarkt. Diese Kombination führte dazu, dass wir darin ernsthaft ein bisschen das Zeitgefühl verloren. Geschockt von 7€ teuren einzeln in Plastik eingeschweißten Paprikas und der Nicht-Vorhandenheit von Haltbarmilch (gibt’s in Norwegen scheinbar einfach nicht. Punkt.) begaben wir uns mit einer viel zu hohen Rechnung nochmal zu einem Zwischenstopp beim Auto. In Bodo selbst überzeugten dann hauptsächlich die künstlerischen Aspekte der Stadt. Überall standen bunt lackierte Fahrräder herum und an einigen Stellen ragten wirklich schöne Street-Art-Kunstwerke. Sonst war die Stadt auch nett, aber halt nicht weiter besonders. Es folgte eine Fahrt durch’s Nichts. Also wirklich das war die ärgste Pampa. Nicht was wir in Österreich so als Pampa kennen. Da hat man sich einmal 360° im Kreis drehen können und hat nur Steppe gesehen, soweit das Auge reicht. Der Zwischenstopp an einem Fluss (nachdem wir die Pampa wieder verlassen hatte) zum Baden und Wasser auffüllen, sollte aufgrund meiner Unfähigkeit die mir 3 Schnittwunden einbrachte lieber unerwähnt bleiben. Zum stehen kamen wir in den Abendstunden an einer Raststätte direkt bei einem kleineren Fluss mit vielen Felsen zum herumkraxeln (ich mach sowas nicht, niemals doch). Doch die Freude über den schönen Übernachtungsplatz hielt nicht lange, nur kurz nach Ankunft las ich die ersten Meldungen des Münchner Amokläufers.

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Next Stop: Trondheim. Kennt man irgendwie, kann es aber nicht so wirklich zuordnen (um mal ganz salopp von mir auf andere zu schließen). Aber man muss sagen: Eine wirklich schöne Stadt. Und auch eine sehr sympathische, denn einen gratis extra auf Campingbusse und Wohnmobile ausgelegten Stellplatz sieht man nicht oft, auch wenn dieser etwas sehr voll war. Wir haben uns noch neben einen VW Bus gezwängt, der in einem Eck des Platzes stand. Es ist auch ein VW Bus, sie können uns also eigentlich gar nicht wirklich böse sein, richtig? Erstmal in der Abenddämmerung (just kidding, so richtig dunkel wird’s nach wie vor nicht) die Innenstadt erkunden. Schöne Häuser, einiges an Grünem und interessante Rad-Lift-Konstruktionen (here you go). Aber vor allem: Überall Pokemon Go Spieler*innen. Bisher hatten wie das nicht so mitbekommen, da dies wieder die erste richtige größere Stadt seit längerem ist, aber meine Güte das haben dort alle gespielt. Nachdem auch ich dann diesen Hype ausprobieren musste brachten uns Pikachu und Schiggy sicher wieder zu unserem VW Bus. Aja und die VW Bus Nachbarn waren auch nett. Ein bisschen Smalltalk inkl. VW-Bus-Probleme-Konversationen, VW-Bus-Verbrauch-Vergleichen, Reisetipps und Hundegesprächen später legten wir uns auch dieses Tages gar nicht mal so spät zur Ruh.

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