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Die Sonnen- und Schattenseiten von Paris – Tag 9 & 10

Jede Abfahrt ist irgendwie mit ein bisschen Wehmut verbunden, aber die heutige besonders, nicht zuletzt weil wir diesmal nicht nur Barcelona, sondern damit auch gleichzeitig Spanien verlassen und nach Paris weiterreisen.

Der Bahnhof in Barcelona präsentierte sich auch bei der Rückfahrt genauso chaotisch, unorganisiert und nicht-englischsprechend wie bei der Ankunft. Die ersten Augenbrauen wurden hochgezogen, als unser Zug auf keiner der großen Leinwände in der Bahnhofshalle aufgelistet war. Erst einige Minuten des verdutzen Herumschauens später fanden wir unseren Zug auf einer kleinen Anzeigetafel wieder. Wieso dies der Fall war bleibt wohl ein Mysterium.

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Nach den Sicherheitschecks – nein ich weiß noch immer nicht wozu die dienen sollen – begegneten wir dann noch ganz anderen unguten Menschengestalten, die meinten wir müssen jetzt unbedingt sofort Daten – die sowieso schon auf dem Interrail-Ticket selbst stehen – in das Formular welches sich auf dem Papier-Einband des Tickets befand eintragen. Tun wir einfach mal so als hätten wir noch ewig viel Zeit bis zur Zugabfahrt gehabt. Und tun wir auch einfach so als wäre irgendeiner von denen der englischen Sprache mächtig gewesen. Und tun wir einfach auch so als hätten sie nachher nochmal kontrolliert ob wir auch wirklich alle Daten richtig eingetragen – haben wir nicht – haben.

Nach diesen bürokratischen Hürden im Zug angekommen, wurde vor allem meine Unmut noch durch die kleinen Sitze ohne viel Beinfreit sowie meinem Irrglauben des Fehlens von Steckerleisten verstärkt. Nachdem die Klimaanlagen den Zug wieder auf unangenehm tiefe Temperaturen heruntergekühlt hatte, meinten plötzlich Schaffner sie müssen jetzt nochmals die Tickets kontrollieren. Wurde zwar schon beim „Einchecken“ gemacht aber okay.

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Einige Zeit später und einige Grad weniger stolzierten dann französische Polizisten in den Zug die meinten sie müssen nun sehr genau die Ausweise kontrollieren. Schengener Abkommen aber gut. Zu den Polizisten müssen noch zwei Dinge gesagt werden: 1. Sie konnten richtig gut Englisch. 2. Sie haben ziemlich auffällig ihre Waffen mit sich getragen. Ich weiß ja nicht wies euch geht, aber ich fühl mich eigentlich nicht so wohl wenn da plötzlich auf Gesichtshöhe eine Pistole neben mir herumbaumelt.

Die 6 stündige Zugfahrt war dann auch irgendwann durchgestanden und wir in Paris angekommen. Erster Eindruck: Nicht so toll. Aufgrund Terminprobleme unseres AirBnB-Hosts konnten wir erst etwas später in die Unterkunft und so entschieden wir uns für den Fußweg. Nachdem wir die ersten recht dreckigen Straßen hinter uns gelassen hatten, gerieten wir plötzlich in eine Menschenmenge die scheinbar unter der Beobachtung der Polizei stand. Alle paar Meter standen ein paar Beamte und umso näher man sich die Leute ansah durch die man sich da gerade durschlängelte umso mehr hatte man das Gefühl, dass es ziemlich angenehm ist, dass dort überall Polizei steht. Das war der Moment an dem wir beide unsere Kameras in die Taschen verpackt haben. Sicher nicht die schlechteste Entscheidung des Tages.

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Die nächsten paar Straßen waren etwas ruhiger – wenn auch nicht sauberer – und ich konnte mich wiedermal auf eines meiner absoluten Lieblings-Reise-Suder-Themen konzentrieren: Ampeln. Also leibe Franzosen wirklich jetzt: Erstens: Wenn Sonne auf eure Ampeln scheint, sieht man mal gar nicht obs grad rot oder grün ist. Zweitens: Eure Maxln sind nebeneinander: WIESO?! Dadurch braucht man viel länger um zu erkennen ob’s grad rot oder grün ist. Drittens: Eure Ampeln bliken gar nicht. Also so wirklich gar nicht. Die schalten instant von Grün auf Rot. Weder mein Gehirn, noch meine Augen, noch mein Gehirn ist so schnell um das zu überreißen. Das sind ja Zustände hier.

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Während wir die Straße weiter entlanggingen und darauf warteten, dass endlich mal ein Franzose den minimalen Anstand besaß um selbst an die Seite zu weichen, wenn da zwei mit schweren Rucksäcken beladene Jugendliche vorbeistolzierten, gerieten wir wieder in ein komisches Viertel. Plötzlich waren überall Marktstände – soweit so gut – und dazwischen wurden iPhones und Brillen verhökert. Ich bin mir noch nicht sicher ob es gestohlene iPhones oder gefälschte waren, denn obwohl sie sehr original ausgeschaut haben, hoffe ich noch immer auf Zweiteres. Aber ich kann euch sagen: Spätestens seit diesem Moment hab ich mir alle 2 Minuten an die Hosentasche gegriffen um auch zu überprüfen, dass noch sämtliche Wertgegenstände die da sein sollten auch wirklich da sind.

Nachdem uns ein zwar hilfsbereiter aber nicht sonderlich behilflicher Franzose wieder – auf der Suche nach der AirBnB-Unterkunft – aus dem Gelände wo wir eigentlich hingehört hätten hinausgeschickt hatte, kamen wir auch dort schlussendlich wohlbehalten an.

Bezüglich der Englisch-Kenntnisse der Franzosen lässt sich vom ersten Eindruck her sagen, dass sie noch mehr auf ihrer Sprache bestehen als es schon die Spanier taten. Nicht nur wurde die Tatsache, dass man gerade mehrere Sätze Englisch geredet hat einfach ignoriert, auch die konkreten Hinweise auf die englische Sprache wurden einfach ignoriert.

Morgen geht’s dann in die Tourismusgebiete der Stadt, die sich hoffentlich in einem besseren Licht präsentieren als dieser Stadtteil. Wir melden uns dann, wenn wir’s überlebt haben. (Mama, wenn du das ließt: Keine Sorge, wir wissen schon wie wir auf uns aufpassen 😉 )

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Neuer Tag, Neues Glück, Neuer Versuch für Paris. Die Illusion nach einem billigen morgendlichen Kaffee wurde gleich mal zerstört. Selbst bei McDonalds – wo man in AT einen Euro (EINEN EURO!) dafür zahlt – blättert man in Frankreich stolze 2,10€ für einen kleinen Kaffee hin.

Wenig später begann die fast schon traditionelle Suche nach einer Stadtkarte mit Sehenswürdigkeiten, immerhin hatten wir nur einen Tag Zeit, die wichtigsten Gebäude und Kirchen mussten also schnell abgeklappert werden. Zur allgemeinen Gemütsverbesserung wurde dann noch eine Entfernung des unnötigen Werbematerials auf der Karte vorgenommen.

Nachdem schon viel zu viel Geld für den Kaffee draufgegangen war, war es auch schon fast egal, dass noch mehr Geld für das eigentliche Frühstück ausgegeben wurde. Dafür waren die aufgebackenen Croissants zum Bahnhofseinheitspreis wenigstens gut essbar.

Wie schon in Spanien stellte sich heraus, dass die Fußgänger sich nicht gerade an die rot bzw. grün leuchtenden Maxerln am Zebrastreifenrand halten und mehr oder minder willkürlich den Zeitpunkt des Straßenüberquerens zu wählen scheinen. Das führte sogar zu der absurden Situation, dass sich ein Taxi-Fahrer per Handzeichen bei uns bedankt hat, dass wir bei der roten Ampel stehengeblieben sind.

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Sobald wir umzingelt von Menschen mit Kameras waren, die alle verschiedene Sprachen – aber kaum Französisch – sprachen, befanden wir uns in der Regel in gepflegten französischen Straßen oder neben prunkvollen Gebäuden. Die Innenstadt war ok, eine Touri-Innenstadt halt.

Viel spannender waren da schon – ich finde auch die absurdesten Dinge spannend – die Toiletten der Innenstadt. Die fühlten sich ein bisschen wie Zukunft an. Nachdem man per Knopfdruck die Tür öffnete, welche sich automatisch hinter einem wieder schloss, wurde man von einer französischen Stimme durch den Klobesuch begleitet. Meine nicht vorhandenen Französischkentnisse waren leider nicht ausreichend um auch nur eine annähernde Interpretation des Gesagten wiedergeben zu können, aber es war schon eigenartig genug nicht zu verstehen was die Stimme von sich gab.

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Einmal bekommt jetzt noch eine Kirche etwas mehr Aufmerksamkeit: Notre Dame. Großes Gebäude und so, aber was sich darin abspielte war noch viel beeindruckender. Da haben sich ernsthaft Leute angestellt um sich auf eine sehr ineffiziente Weise – mit zwei Fingern und nur ausgewählte Stellen des Gesichts – zu Waschen. Also: 1. Das ist Wasser was mit Wasser geweiht wurde (oder auch nicht) – fällt euch auf wie absurd das ist? 2. Da greifen tausende Leute täglich rein: Wisst ihr eigentlich wie unhygienisch das ist? 3. Nahe des Notre Dame ist ein Wasserbrunnen: Wenn ihr euch das Gesicht waschen wollt, tut es dort.

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Schließlich haben wir noch einem Schweizer der uns Österreicher in Frankreich für Amerikaner hielt geholfen bevor es – nachdem ich mein Ticket austauschen lassen musste (es hat nichtmal einen Tag gehalten(französische Qualitätsware *facepalm*)) – mit der U-Bahn mit extrem geilen Türen – wenn man da den Hebel betätigt gehen die wirklich sofort in annähernder Lichtgeschwindigkeit auf und man kann sich nicht noch einen Kaffee bestellen (ist bei den Preisen aber wohl eh besser so) bevor man den ersten Schritt hinaus wagen kann – in die Unterkunft zurück.

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