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Tag 1 & 2: Das ultimative Polen-Erlebnis aber ohne Auto-Klau

Um das Ganze mit einem schlechten Witz zu beginnen: Eigentlich wollten wir ja nur von Favoriten nach Atzgersdorf, aber da wir eh schon falsch auf die Autobahn aufgefahren sind, dachten wir uns wir können auch gleich den kleinen Umweg über Norwegen nehmen. Wir versuchen diese Jahr wieder was Neues. Was Neues für uns beide, auch wenn der eine (der gerade nicht in der Kälte an einem Mini-Hafen in Riga diese Zeilen in sein Smartphone klopft) schon deutlich mehr Erfahrung mit dem diesmal gewähltem Transportmittel hat. Nach der Interrail Reise letztes Jahr folgt dieses Jahr ein Roadtrip, hoffentlich auch wieder zumindest ansatzweise so problemlos wie die letztjährige Mission. Für mich heißt das vor allem zweierlei: Mehr Auto fahren als ich wohl (um nicht „mit Sicherheit“ zu schreiben) seitdem ich den Führerschein habe insgesamt gefahren bin und meine Öko-Bilanz massiv verschlechtern. Wer mich kennt weiß, dass man mich nur äußerst selten im Auto antrifft. In Zügen und Öffis fühl ich mich zu Hause. Durch diese Überkompensation steuere ich vielleicht zumindest in Richtung Umweltverschmutzungs-Durchschnitt. Aber ich schiebe das jetzt, wie man das als gelernter Linker eben so macht, auf die reiche Elite die viel zu lange den Fortschritt von Elektroautos aufgehalten hat, befreie mich somit zumindest scheinbar aus der moralischen Zwickmühle und leite damit gekonnt von einer viel zu ausschweifenden Einleitung in den Hauptteil über.


Dienstag. Der Tag an dem der Spaß beginnen sollte. Etwas verspätet aber doch brechen wir gegen Mittag aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk auf, um uns in Richtung Norden zu bewegen. All der Digitalisierung zum Trotz war es gewissen Teilen der Bus-Besatzung (oh ich hab das vergessen. Wir fahren mit einem urcoolen superalten VW Bus, dessen Hintergründe erzählenswert wären, aber hier jetzt eindeutig die schon überspannte Klammer zum Platzen bringen würden. Und wir tun dies vor allem, weil es einfach Stil hat mit einem VW Bus einen Roadtrip zu machen) ein Bedürfnis (und manchen von uns so halb) eine Tote-Bäume-Karte von Skandinavien zu besorgen. (keine Angst ich musste auch nochmal nachlesen was der eigentliche Satz war). Vermutlich unterbezahlte Billig-Arbeiter*innen und die Post, die angeblich allen was bringt, haben es aber diesmal einfach nicht rechtzeitig geschafft, was zu einer durchaus verzweifelten Suchaktion von Kartenmaterial in verschiedenen Geschäften führte. In 2 Müllern habe ich es dabei geschafft von der fehlerfreien Technik als fälschlicher Ladendieb identifiziert zu werden und das von uns begehrte Gut konnten wir auch nicht erwerben. Eine Bankrotterklärung für die lokalen Geschäfte und den Internetversandhandel zugleich. Willkommen in den Trümmern der Konsumgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Der erste Stopp katapultierte uns allerdings in eine dunkle Zeit eines anderen Jahrhunderts (man beachte die tolle Überleitung die selbstverständlich akribisch zuvor geplant war und sich nicht gerade erst eben ergeben hat). Nur 2 „zufällig-verdachtsunabhängige Intensivkontrollen“ an den Grenzen (die bestimmt nichts mit dem verdächtig nach *etwasIllegalesHierEinfügen*-Schmuggel aussehenden VW-Bus zu tun hatten), 3 Hin-und-Her-Gerenne (an denen nur zu etwa 53% wir schuld waren), 2 Zähltickets (deren Sinn ich bis heute nicht ganz verstanden habe) und jeweils eine Flughafen-like-Metallscanner-Aktion (Ich pieps auch echt überall) trennten uns von den geschichtsträchtigen Gemäuern von Auschwitz. Eine unheimlich erdrückende Stimmung schlug sich auf uns beide nieder. Das extrem gut aufbereitete „Museum“ schaffte es mit diversen Sammlungen, Auflistungen und Storytelling gemischt mit dem stärkten Bewusstsein, welch schreckliche Taten auf eben diesen Quadratmetern der Erde vor gar nicht allzu langer Zeit verrichtet wurden, etwas zu erzeugen was einige wohl als „negative Energien“ bezeichnen würden. Etwas bestürzt aber auch froh (darüber dass der Bus noch dastand) ging es noch am Abend weiter zu einem Stellplatz in Krakau, wo wir bei einer abendlichen Hund-Spaziergeh-Runde (das mit dem Hund erklär ich nochmal irgendwann, versprochen!) Noch feststellen konnten dass auch die polnische Wildschwein-Jugend Bier trinkt und sich nicht vor Hunden fürchtet. (Oh, da ist wohl was in den Notizen durcheinandergeraten)

(Für die geografisch nicht so versierten – und mein Zukunfts-Ich, wenn ich das mal wieder lese: Der letzte Absatz vollzog sich in Polen)


Begleitet von Playmobil-artigen Polizeisirenen (wer die Interrail-Blogs gelesen hat, weiß ich habe einen kleinen Fetisch für Sirenen, Licht- und Tonsignale, ich bitte um Entschuldigung, mein Therapeut ist informiert, aber dem ist das auch noch neu) schritten wir am nächsten Morgen in die Krakauer Innenstadt vor. Ich hab auf Snapchat schon zu viele Krakauer-Witze gemacht, darum lass ich das jetzt hier, aber zum Glück hatte ich an dem Tag sowieso keine Lust auf Wurst, auch wenn ich meine Halb-Vegetarischen-Absichten für diesen Trip sowieso über den Haufen werfen „musste“. Doch wer Brezeln, Geldwechselstellen und Sand auf Brücken mag, der fühlt sich bestimmt auch in Krakau wohl. Auch ganz ohne Krakauer (verdammt!). Die Stadt-Attraktivität schafft es trotz weniger echter Highlights, durch eine schöne Innenstadt nicht vollkommen unter meinem „Hat mir gefallen“-Radar zu schwimmen.


Mit Warschau sollte die dritte Stadt in 2 Tagen das ultimative Polen-Erlebnis perfekt machen, was aber beinahe durch einen Scheibenwischerdefekt (er hatte sich bei Starkregen auf der Autobahn einfach mal dafür entschieden Linksaußen eine Pause auf dem Seitenspiegel einzulegen) ins Schwanken geraten wäre. Aber von sowas lassen wir uns natürlich nicht aufhalten. Geschickt den zweiten Scheibenwischer in die Mitte gestellt rettet Alex in der Not. So kamen wir spät aber doch bei einem Stellplatz an, auf dem uns noch bei der Einfahrt Fahrschulautos entgegenkamen. Aber immerhin blieb noch genug Zeit für die Wärmung einer Konserve die wir so liebevoll als Dosenfutter bezeichnen, bevor uns der Klang der Polizeisirenen des massiven Warschauer Polizeiaufgebots liebevoll in den Schlaf wog.

2 Comments

  1. Coole Sache

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  2. Klingt wunderbar bereichernd und macht neugierig auf mehr
    :)
    Fotos sind sensationell und was ist jetzt mit dem Hund?

    :)

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