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Tag 13-16: Bis zum Paradies und noch viel weiter

Der Morgen des 13. Tages mündete in einem mittelschweren Schockzustand. Nachdem Alex am Bauch seines Hundes sehr viele tiefrote Punkte entdeckte, wurden erstmal die Suchmaschinen angeschmissen um einen Tierarzt in der nächsten größeren Stadt Tromso zu finden. Doch am Sonntag ist das beinahe ein Ding der Unmöglichkeit und so mussten wir erstmal auf die Reiseapotheke zurückgreifen und die Kontaktstellen im heimischen Österreich konsultieren (Dem Hund geht’s mittlerweile wieder gut, dürften viele Bisse/Stiche gewesen sein). Tromso überraschte uns dann gleich mal ordentlich: Ein Tunnel mitten in der Stadt und dann sind da auch noch Kreisverkehre drin. Ja, im Tunnel, drei an der Zahl haben wir durchfahren. Kannst dir nicht ausdenken! Als regelrechte Schwierigkeit stellte sich wenig später allerdings das Lesen diverser Schilder heraus. So lustig die norwegische Sprache auch klingen mag, hin und wieder etwas in Englisch anschreiben wäre auch nicht schlecht liebe Norweger*innen. Aber zumindest bei der Kirche kann ich mich nicht beschweren: Die Eintrittspreistafel war dort in 4 verschiedene Sprachen übersetzt! Was zum Glück keine Übersetzung braucht (Hammerüberleitung *selbstaufdieschulterklopf*) ist Kunst, die durch diverse Fotostudios und Gallerien in dem Ort präsentiert ist. Doch auch die Moderne fehlte nicht, gerade die massive Anzahl an Teslas zeigte wie fortschrittlich dieses Land auch auf dieser Ebene zu sein scheint. Doch wo das Alte auf Moderne trifft, sind auch Möwen und die hatten es diesmal faustdick hinter den Ohren (haben die überhaupt Ohren?)! Vermutlich den Hund anvisiert verfehlte die Kotladung nur knapp des Alex’s Haupt. Nach diesem ersten Fehlschalg versuchten uns die Möwen weiterhin mit einigen Tiefflugkommandos einzuschüchtern. Geflüchtet in den schützenden VW Bus fuhren wir noch einige Kilometer aus der Stadt heraus, wo wir einen kleinen, aber für die Größe gut mit Campingbussen befüllten Parkplatz fanden. Das Umschlichtprozedere hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon beinahe automatisiert. Wenn ihr mich um 4 Uhr in der Früh aus dem Bett haut schaff ich normalerweise nicht viel, aber das bekomm ich mittlerweile wahrscheinlich sogar hin. 
Nachdem schön langsam unsere Frühstücksressourcen zur Neige gingen trauten wir uns doch einmal in einen norwegischen Supermarkt. Alle haben gesagt es ist teuer hier heroben, und naja was soll ich sagen: Es ist teuer hier heroben. Obst & Gemüse kaum leistbar, genauso wie meine vielgeliebte Schokolade und andere süße „Knabberein“. Wer hier wohnt kann sich entweder von nicht vollkommen überteuertem Fisch ernähren oder muss viel Geld verdienen. Vegetarier*innen oder Veganer*innen haben’s hier wohl eher schwer. Nach diesem regelrechten Super(mark)-Preis-Schock nahmen wir Kurs auf Harstad oder besser auf einen Stellplatz der angeblich in der Nähe davon liegen sollte. Einmal durch die Baustellen-getränkte Hastader Innenstadt hindurch, auf einen Berg hinauf und über eine nicht viel aber doch für 2 Autos zu enge Straße zu einem Ort dessen Name sich später als Kasfjord herausstellen sollte. Ein kleines Örtchen, das sich extrem leicht besiedelt entlang einer Bucht erstreckt. Der Stellplatz war offenbar direkt bei einem Hafen, nur sah der Stellplatz nicht aus wie ein Stellplatz. Erst nach einigen Überlegungen entschieden wir uns doch dort zu bleiben, v.a. auch weil noch ein zweiter Campingbus auch dort stand. Und wenn wir schon hier im Nirgendwo irgendwelche Gepflogenheiten brechen, dann doch lieber mit ein paar Holländern gemeinsam. Im Gegensatz zu der Stadt selbst war der Hafen relativ belebt (und damit meine ich, dass da alle Stunden mal irgendwer vorbeikam). Bei der kurzen Stadterkundung waren vor allem große, traditionelle Häuser mit zahlreichen Mobilheimen davor zu sehen. Allgemein scheinen Mobilheime und Wohnmobile hier äußerst beliebt zu sein. Vor bestimmt jedem zweiten Haus ist in Norwegen bisher eines von den beiden zu erblicken. 


Neuer Tag, Neue Stadt. Obwohl wir nochmal kurz versuchten uns die Innenstadt von Harstad anzuschauen, enttäuschte uns die Gratis-Karte des Tourismus-Info-Büros so sehr, dass wir direkt Kurs auf Sortland nahmen. Ich spar mir jetzt mal die Witze darüber, dass die eigentlich einen eigenen Sortieralgorithmus bräuchten bei den Namen und fange gleich an mich darüber aufzuregen, dass die dort unüberwindbare Mistkübel mit Knopf-Karten-Kombinations-Verschluss hatten (scheinbar private… 2-Klassen-Müll-Gesellschaft). Die Stadt hat allerdings auch einen netten Touch: Irgendein Künstler versucht sämtliche Häuser hier blau zu machen. Langsam aber b’ständig. Es ist jetzt nicht so als wär die ganze Stadt blau, aber es ist tatsächlich eine große Häufung an blauen Häusern dort. Evtl. hätte der Künstler allerdings den genauen Blauton vorgeben sollen, denn einige haben scheinbar einfach kein Farbengefühl. Zudem entpuppte sich Sortland als Einkaufsstadt und so statteten auch wir einem der laut Internet etwas günstigeren Läden „Coop“ (der andere angeblich billige trägt den klingenden Namen „REMA 1000″) einen Besuch ab. Billig war’s ned, etwas billiger schon. Zumindest ein Weißbrot (von Schwarzbrot haben die hier scheinbar noch nie was gehört), 50% reduzierten Pizza-Fertigteig (die haben hier sogar Pizzateig Pulver!), Sugo (das hier interessanterweise fast ausschließlich fleischlos ist), Käseflips (die sich als einziges leistbares Knabberzeugs herausstellten) und Mais (zu dem mir jetzt echt nix mehr einfällt) konnten wir ergattern und kamen damit überraschenderweise unter 10€ weg. Wenn wir zurückkommen könnt ihr uns übrigens als Skandinavien-Einkaufsberater buchen. Kostet 5€ pro Einkauf und wir versprechen es ist trotzdem noch günstiger als ohne uns! Auf Süßes wird allerdings weiterhin verzichtet (das kostet mindestens 1/10 Tank!). Unser Abendessen ist damit auch nicht mehr schwer zu erraten, vor allem wenn man weiß, dass unsere Kühlbox mittlerweile (auch wegen des bescheidenen Wetters) wärmer ist als der Papp-Karton heraußen (der von uns liebevoll „Magische Box“ genannt wird): Pizza! Und gerade weil die Leute in dieser Stadt so freundlich anhielten wenn man über die Straße zu gehen versuchte, wollten wir die Einheimischen nicht mit dem verführerischen Geruch, den unsere Pizza mit Sicherheit verbreiten wird, quälen und suchten unsere Opfer stattdessen im nächsten Ziel: Andenes. Eine Hafenstadt die als deutliches Kennungszeichen einen Leuchtturm für sich beanspruchte zeigte sich leider auch wettertechnisch nicht von ihrer besten Seite. Dafür konnte ich endlich mal wieder ein paar Felsen runter und raufklettern (beim Leuchtturm) und das ist ja auch schonmal was. Nahe des Fährenhafens wurde der anfangs noch schlecht gefüllte Stellplatz auserkoren. Als wir dann am Abend bei der Pizazzubereitung waren, war der Platz sehr gut befüllt, ob’s da wohl einen Zusammenhang gab? 

Tag 16 sollte wettertechnisch zumindest laut Vorhersagen unter einem guten Stern (oder unter einer guten Sonne) stehen. Und auch das Programm sollte nun wieder abwechslungsreicher werden: Es geht wieder in die Naur. Im nur wenige Kilometer entfernten Bleik hatte Alex eine Wanderung herausgesucht, die angeblich wunderschön sein soll. Doch das Wetter sollte uns zumindest zu Beginn noch einen Strich durch die Rechnung machen. Selbst der weiße Sandstrand ist bei bedecktem Himmel nur „Okay“. Obwohl dies mit 400hm sicher der niedrigste Berg war den ich jemals erklommen hatte, zehrte der Aufstieg schon sehr an den Kräften, was auch daran lag, dass er direkt am Meer lag und daher tatsächlich diese 400hm hinaufgegangen werden mussten (und das auch einer relativ kurzen Strecke, sonst sind 400hm ja nicht sooo schlimm). Oben angekommen herrschte reger Wind. Die Haare stellten sich zu Berge (badumm!) und der Gang wurde unsicher. Noch ein paar Höhenmeter hinauf und dann war da tatsächlich das Gipfelkreuz. Eine wunderbare Aussicht wenn auch durch den wolkenbedeckten Himmel getrübt. Die schnell gefundene Alternativrouten hinunter präsentierte sich zuerst als angenehmere Alternative. Hindurch durch weiches Gras, Moos und über ein paar Steine gelangte man zu einem kleinen See. Und während wir die Wasserflaschen auffüllten, blinzelte vorsichtig ein Kammerad durch die Wolken den wir schon länger nicht gesehen hatten. Dann ging alles sehr schnell (dramatischste Beschreibung für einen Wetterumschwung ever) und bald standen wir bei blauem Himmel zwischen Bergen, Sandstrand und Steinen. Einige Halb-Kletterpassagen an der traumhaften Küste waren dann noch zu überwinden bevor wir uns unseren wohlverdienten Nachmittags-Snack zu uns nehmen konnten. Eine kurze Verschaufpause später fanden wir uns schon dort wieder, wo wir einen Großteil unserer wachen Zeit in den letzten Wochen verbrachten: Auf der Straße. Diesmal Richtung Henningsvear. Eine Stadt die man nur über eine lange Straße erreichen kann. Eine lange und enge Straße. Etliche Bremsmanöver und Ausweichaktionen (rechts und links waren alle paar duzend Meter Einkerbungen dafür) später waren wir an einem der wohl schönsten Orte die ich in meinem Leben bisher gesehen habe. Vom Meer umgeben, überall kleine Inseln, am Horizont hohe Berge. Das ist wirklich schwer zu überbieten. Das wissen scheinbar auch die Einheimischen zu schätzen: Auf der Strecke zur Stadt waren links und rechts der Straße etliche Zelte zur Übernachtung aufgestellt. Wir allerdings verbrachten unsere Nacht auf dem Stadt-eignen Stellplatz, zwischen zwei Luxus-Campern. 

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