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Tag 20 – 23: Regen, Touri-Stuff und Regen

In dem Gespräch mit den VW-Bus-Platznachbar*innen (aja Tag 20 haben wir übrigens grad) fanden wir auch heraus, dass unser nächstes Ziel angeblich gar nicht mal so toll sein soll. Kristiansund ist eigentlich eines der bekannteren Ziele in der Gegend, daher traten wir trotzdem den Weg dorthin an. Was soll ich sagen: VW-Bus-Fahrer*innen kann man ruhig vertrauen (auch wenn sie sich den Erzählungen nach hin und wieder aus dem Gefährt aussperren). Ein bisschen Weg und eine Mini-Fähre trennten uns von der wohl langweiligsten Stadt unserer Route bisher. Das interessanteste dort waren die zwei Frauen die dort am Wasser saßen und ein Interview auf Englisch führten (mich hätte aber wirklich interessiert worums da ging. Beim Vorbeigehen hab ich nur mitbekommen, dass sie gerade Guiness Bier gelobt hat… warum auch immer…). Na gut noch schnell eine Kleinigkeit essen und dann wieder weg aus dieser Geisterstadt. Fähre Nummer 2 stand an dem Tag am Programm und eines muss man den Norweger*innen lassen: Fähren können sie. Extremst schnelle Abwicklung und kaum Wartezeiten, also wirklich: An einer wiener Bushaltestelle warte ich länger (teilweise sogar wenn ich pünktlich dort bin). In den späteren Nachmittagsstunden stellten wir unseren T3 dann noch vor eine kleine Herausforderung.  Elf Haarnadelkurven, über 400 Höhenmeter, etwa 12% Steigung. Es geht auf die Trollstigen, eine der bekanntesten Touri-Strecken Norwegens, zumindest laut Wikipedia (immer wenn ich sowas schreib hör ich meine ehm. Englisch-Professorin „Wikipedia ist keine Quelle!!!“ in meinem Kopf schreien). Und nachdem ich das grad so wunderbar überdramatisiert hab, muss ich euch mitteilen, dass es kein ernsthaftes Problem bei der Rauffahrt gab, auch wenn uns eine (offenbar österreichische Touristin) oben noch nach einem Foto fragte, weil sie nicht glauben konnte, dass Wiener mit diesem Auto da raufgefahren sind. Dicke Nebelschwaden wogen uns daraufhin behutsam in den Schlaf.

f1006364104f1009706312Trollstigen beheimatet allerdings nicht nur jeden Tag viele Touristen, sondern auch dauerhaft schöne Wanderwege und so machten wir uns auf um (trotz eher mieser Wetterprognose) zumindest ein paar Höhenmeter zu erklimmen. Ein relativ steiler Weg führte an unzähligen aufeinander balancierten oder aufgestapelten Steinen vorbei und mündete schließlich in einem hochgelegenen Tal mit See zwischen mehreren Bergen. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen wir aufgrund der Wetterlage umzudrehen, und außerdem hatten wir schon Schnee gesehen (und der Hund darin gespielt), wie viel besser soll’s also noch werden? Wieder im Tal mussten wir feststellen, dass sich nichtmal der vor uns geparkte grüne Tesla als Glücksbringer erweisen sollte, was das Wetter angeht. Dauerregenvorhersagen trieben uns dazu erstmal eine Routen-Ad­jus­tie­rung vorzunehmen. Neues Tagesziel: Kilometer machen. Einen Zwischenstopp in der Pampa (aber diesmal schöne Pampa! wenn auch mit schlechtem Wetter) und noch ein paar Kilometer später hielten wir irgendwo neben der Straße vor allem weil auch der Hunger an dem Tag schon etwas ausgeprägter war. Am Speiseplan: Linsen mit Zwiebeln, die allerdings im Endeffekt mehr Zwiebeln mit Linsen waren (wenn im Rezept steht 1 große Zwiebel, sollte man halt nicht 2 kleine Zwiebeln plus eine große Zwiebel hineinschneiden, ProTipp!). Obwohl wir brav aufgegessen hatten, besserte sich das Wetter auch am Abend nicht, aber zumindest waren wir satt.

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f1004183368Next Stop: Flåm. Diesen recht eigenwilligen Namen trägt jenes Stück Land, welches ich wohl als das Touri-geprägteste überhaupt bezeichnen würde. Während unserer gesamten Anwesenheit (die zugegeben nicht allzu lang war) konnte ich nicht herausfinden, wieso hier so viele Tourist*innen sind. Also wirklich überall! Und im Hafen standen 3 Kreuzfahrtschiffe. Drei! Bei einer Stadt mit rund 450 Einwohner*innen. Okay, der kurze Rund“wander“weg mit mittendrin platzierten Satellitenschüsseln war ganz nett aber dann war da halt ein Eisenbahnmuseum daneben welches mit dem offensichtlichstem Touri-Loch-Slogan überhaupt warb: „One of the world’s most beautiful train jouneys.“ Vermutlich bin ich aber auch einfach der einzige der sich über sowas aufregen kann und vielleicht (aber nur vielleicht) ist dieser Eindruck auch noch ein bisschen davon negativ behaftet, dass es im örtlichen Supermarkt Erdäpfeln gab die in Alu verpackt waren und dann nochmal in Plastik. Die Verpackkultur der Norweger*innen ist wirklich eine eigene. Einerseits stehen überall in den Supermärkten Geräte zum Selbstabfüllen von diversen Produkten und andererseits sind Lebensmittel dann doppelt und dreifach verpackt. Aber es war nicht alles schlecht an Tag 22. Zumindest haben wir den besten Verdünnungssaft ever entdeckt: „husholdningssaft“. Und nein, er schmeckt nicht wie Hustensaft (auch wenn ich den auch mag). Dieser Donnerstag der 26. Juli endete wie er begann, auf einem kleinen Parkplatz neben einer Straße. Diesmal allerdings direkt an neben einem öffentlichen Strand und mit einer Toilette (die man eigentlich nicht so nennen sollte, aber… )

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Unabsichtlich verschwiegen blieb bisher, dass wir uns mittlerweile nicht unweit entfernt von Bergen befinden. Jener für (zumindest für Deutschsprachige) unkreativ benamsten Stadt die für ihr regnerisches Wetter bekannt ist. Wie schön ironisch wäre es gewesen wenn wir gerade dort keinen Regen gehabt hätten, aber das sollte leider nicht sein. Nachdem mich das Ticket-System der Tourist*innen Information dezent überforderte gingen wir nicht 100% perfekt gebrieft (aber immerhin mit 5 Snapchat Geo-Filtern bewaffnet) in die Stadtbesichtigung hinein. Die doch sehr stark irritierenden Hunde-Park-Zwinger (man zahlt pro Minute) bei einem Einkaufszentrum lenkten zwar nicht von der sehr ansehnlichen Stadt ab, der ständige Regen machte die Aktion trotzdem zu einem recht anstrengenden Unterfangen. Aufgrund der strengen Parkbeschränkungen und der teuren Parkpreise hatten wir allerdings sowieso nicht sonderlich viel Zeit für die Besichtigung eingeplant was dazu führte, dass wir uns wenig später im bergischen Ikea (ohne Berge) wiederfanden. Zumindest unser auf mysteriösen Wegen verloren gegangenes (ich bin mir zu fast 85% sicher, dass ich es nicht war) Schneidebrett konnten wir gleichwertig ersetzen, was den Mittagessen-Komfort (Brot mit Auflage und Saucen) unverzüglich massiv steigerte. Gut gestärkt traten wir den Weg nach Oslo an in dem Wissen, dass wir es dort heute nicht mehr hinschaffen wurden. Unzählige Autobahn-(oder vielleicht doch Landstraßen-)Kilometer später ist das Zufahren in die nächste Autobahneinbuchtung (die zumindest halbwegs für eine Übernachtung geeignet war) zu später Stunde die nächste und auch letzte Erinnerung die ich an diesen Tag noch ausgraben kann.

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