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Tag 24 – 26: Wer das rote Lamperl nicht ehrt ist das Starterkabel nicht wert

Unseren Wasservorrat (der eigentlich durchwegs einen problematischen Stand hatte) versuchte ich am Morgen des 24. Tages mit vollem Klettereinsatz (ich verbuche das als Morgensport) nochmals aufzufüllen, was nur von mäßigem Erfolg gekrönt war, da die Wasserqualität des Baches neben der Landstraße (wer hätte damit gerechnet!) nicht gerade die beste war. Doch das sollte das am wenigsten schockierende Ereignis dieses Tages sein (Dieser Spannungsbogen!). Einige Kilometer waren wir wieder auf der Straße als das rote Lamperl der Batterie-Kontrolleuchte zu leuchten begann. Bisher hatte der Bus bis auf einen kaputten Scheibenwischer und ein paar Probleme mit dem Gaspedal gut durchgehalten, aber dieses kleine verdammte Lamperl zauberte uns dann doch Sorgenfalten auf die Stirnen (ja ich hab nachgeschaut das ist die Mehrzahl von Stirn, glaubt mir!). In Oslo angekommen wo wir unabsichtlich erfreulich (danke unfähige Gregor-Koordinations-Skills) den Holmenkollen besuchten, versuchten wir verzweifelt die Batterie über eine Solarzelle durch den Zigarettenanzünder zu laden. Keine Ahnung ob’s funktioniert hat, aber es hat auf jeden Fall lustig ausgesehen! Nachdem wir es nach der Holmenkollen-Besichtigung doch noch zu dem ursprünglich vorgesehen Parkplatz, zumindest nicht ganz so weit außerhalb geschafft hatten, versuchten wir uns gegen Abend hin auch noch an der Stadt Oslo selbst zu erfreuen. Die sehr moderne Olsoer Innenstadt erkundeten wir wie üblich mit einer gratis Stadtkarte in der Hand. Oslo ist auch eine der Städte unserer Tour die ich auf die Liste „Gerne mal wieder“ setzen würde. Wirklich schönes Stadtbild mit viel Wasser. Essen – Schlafen – Fertig!

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Am nächsten Morgen begrüßten uns erstmal ein halbes Dutzend Feuerwehrautos die sich direkt neben unseren VW Bus stellten. Dort fand zu der Zeit offenbar irgendein größeren Jugend-Fußball-Turnier statt. Wir schauten also, dass wir möglichst schnell von dort wegkommen, nicht dass sich da womöglich noch Polizei hinter die Feuerwehrautos stellt und wir erklären müssen was wir hier eigentlich machen. Kurz darauf: Partystimmung. Wir tanzten herum, kreischten und machten eine Flasche Sekt auf. Ok ganz so war es auch wieder nicht, aber das rote Lamperl ging zumindest erstmal wieder aus (wenn wir gewusst hätten, dass es wenig später wieder angeht hätten wir uns wohl nicht so gefreut). Wir waren am Weg nach Stockholm als wir an einer Autobahnraststätte hielten (so beginnen alle Horror-Geschichten). Als Alex versuchte den Bus nach der verdienten Pause wieder zu starten, ging nix mehr. Also gar nix mehr. Der Bus machte nichtmal einen Laut. Nach einem kurzen Anfall der Ratlosigkeit und Verzweiflung wurde mit der Reservebatterie angestartet und es ging wieder auf die Straße. Also bis die Batterie nach einigen dutzend Kilometern wieder w.o. gab. Mitten auf der Straße. Bei etwa 100 km/h sprang einfach der Motor ab. Pannendreieck raus, Warnwesten an, Reservebatterie raus, Starterkabel raus, Anstarten, Weiterfahren. Wir suchten den nächstgelegenen Campingplatz. Der Plan: Batterien aufladen und dann irgendwie nach Deutschland durchkommen, denn dort können wir uns die Mechaniker wieder leisten und es ist auch einfacher eine neue Lichtmaschine zu bekommen (was der wahrscheinlichste „Point of Failure“ war). Der Campingplatz hatte auch noch ein paar Plätze frei, allerdings keine mit Strom. Noch ein bisschen mehr verzweifelt schlurften wir zum VW Bus zurück den Alex vorsichtshalber rennen hatte lassen. Als Alex den Gang einlegte um weiterzufahren stürzte er ab, sprich: Nochmal anstarten. Es waren nur mehr ein paar hundert Meter bis zum nächsten herausgesuchten Campingplatz. Wir rollten auf eine Kreuzung hin, die Ampel wurde rot, der Bus wurde leiser und leiser und leiser und (surprise!) starb ab. Selten war ich über die Gelassenheit von Menschen so verwundert wie über jene des Autofahrers hinter uns als er sah wie ich plötzlich im Stadtverkehr bei einer Kreuzung aus dem Auto sprang um eine Reservebatterie und Starterkabel herauszuholen um schnellstmöglich den Bus wieder anstarten zu können. Dass der Bus wenige hundert Meter vor dem Campingplatz nochmal abgestorben ist, ist kaum noch erwähnenswert, aber immerhin hatten wir einen Platz mit Strom. Wir müssen zu diesem Zeitpunkt schon sehr verzweifelt ausgesehen haben, da uns ein junger hilfsbereiter Kölner schon mit Starterkabeln in der Hand am Stellplatz begrüßte. Kurzer abendlicher Spaziergang und ab in die Schlafsäcke, nach diesem Tag.

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Die für den nächsten (bzw. diesen) Tag eingeplante Stadtbesichtigung war dann doch noch ein bisschen überschatten von den Ereignissen des Vortages. Nachdem wir noch mit dem Kölner (mit den Starterkabeln von gestern) frühstückten versuchten wir trotzdem diese an sich wunderschöne Stadt zu genießen. Obwohl uns in der örtlichen Tourist*innen Information versucht wurde teure schwedische Luft in Dosen zu verkaufen, hinterließ die Stadt einen insgesamt sehr positiven Eindruck und kommt auch auf die „Gerne mal wieder“-Liste. Mit frischgeladener und neu eingebauter Reservebatterie setzten wir die Segeln (also nicht wirklich aber ihr wisst schon) in Richtung Göteborg mit der Hoffnung, dass wir nicht wieder irgendwo am Pannenstreifen stehen bleiben müssen. Die internationale Pannenhilfenummer des ÖAMTC hatte ich zu diesem Zeitpunkt übrigens schon herausgesucht und griffbereit. Aber wir hatten Glück und erreichten Göteborg ohne Probleme. Und wir hatten eigentlich doppelt Glück weil der Stellplatz den wir uns herausgesucht hatten genau am nächsten Tag zusperrte (was online nirgends herauszufinden war). Genussvoll und in Ruhe verspeisten wir unser Abendessen (es war vermutlich Pasta) während die Abendsonne hinter den Bäumen verschwand (ja mittlerweile ging die Sonne auch wieder unter).

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