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Tag 3, 4 & 5 – Über Katastrophen-Tage und deutsche Höflichkeit

In dem doch einen ordentlichen Fußmarsch von der Ortsmitte Warschaus entfernt gelegenen Stellplatz (der mehr wie ein reiner Parkplatz aussah) wurde ein provisorisches Frühstück verzehrt, bevor es bei doch recht anständigem Wetter in Richtung jener Stadt ging, die bisher als die unbeeidruckendste in diese (wenn auch zugegeben noch nicht sonderlich lange) Reisegeschichte eingehen sollte. Ja sie war gar so unaufregend, dass ich beinahe ein mit Planen abgedecktes Metallgerüst fotografiert hätte, welches neben dem absoluten Highlight unserer Stadtbesichtigung lag: Einem verschlossenen Sand-Streetsoccer-Platz inmitten der Großstadt. 

Das anschließende Verlassen des Stellplatzes, sollte zu einer mittelgroßen Herausforderung werden, da die sich am Schranken befindliche Dame, keinerlei Wort Englisch konnte, unsere Einwände aufgrund unserer fehlenden Polnisch-Kentnisse aber gekonnt ignorierte und nur wild herumschrie und fuchtelte. Irgendwie konnten wir aber dann doch den Schränken überwinden, welcher uns vor unserer Weiterfahrt bei purem Regenbogen-Wetter (das klingt besser als es ist) vorrübergehend aufhielt. Mit dem höchst-philosophischen Alex-Satz „Wir sind eh gleich unter den blauen Wolken“ überquerten wir die Litauisch-Polnische-Grenze. (dass ich so viel über’s Wetter schreibe könnte daran liegen, dass wir gerade – Spoiler! – in einem estländischen Wald bei Starkregen sitzen)


Doch, dass wir an dieser Grenze überraschenderweise nicht aufgehalten wurden sollte zum Highlight des restlichen Tages werden. Litauen begrüßte uns zwar mit einer wunderschönen Landschaft, doch warf es uns wenig später nicht nur Riesen-Hüpferln in den Weg sondern sorgte auch dafür, dass wir in unserer Wahl-Ziel-Stadt Vilnius ordentlich von Backstein-Straßen durchgerüttelt wurden. Dem nicht genug mussten wir erkennen, dass Straßenkehrer*innen dort mit Hexenbesen aufkehren und vermutlich auch den von uns auserkorenen Stellplatz verflucht hatten, jener war nämlich von der Polizei gesperrt. 


Nach langem Suchen fanden wir einen zweiten 24h-Park-/Stellplatz doch meine fast schon übermenschliche Freude, die ich beim zufälligen Auffinden verspürte, wurde nur kurze Zeit später in den Abgrund gerammt (ich meinte sogar die Hitze der Hölle schon spüren zu können). Als der Verantwortliche für den 24h-Park-/Stellplatz aufgrund seines nicht vorhandenen Englisches nichtmal eine Begründung für seine Abweisung nennen könnte (vermutlich war einfach kein Platz mehr frei) verfluchte ich das litauische Schulsystem, die Polizei und unser beider Nerven die mittlerweile schon ziemlich blank lagen. Notgedrungen verbrachten wir die Nacht dann auf irgendeinem öffentlichen Parkplatz etwas außerhalb der Innenstadt, wo wir dann noch bemerkten, dass die Kühlbox auf Heizen statt Kühlen eingestellt war. Meine persönliche Hassliste für den Tag wurde somit noch um „unfähige Hardware-Designer“ erweitert (ich mein ehrlich wer will da drin was wärmen?) bevor wir uns schlussendlich doch zu Bette legen konnten.


Neuer Tag, Neues Glück. Der Tag stand schon zu Beginn unter einem guten Stern, da die Tankstelle direkt neben unserem Not-Stellplatz warmen 1,40-Kaffee verkaufte und Kaffee lässt zumindest mein Herz generell höher schlagen. Endlich kam ich auch zum Rasieren, wobei in mir immer wieder der verzweiflungsvolle Gedanke hochkommt wie einfacher das ganze doch mit Bart wäre. Der innenstädtische Parkplatz war aber dann zumindest schnell gefunden, da die Menschen in Vilnius scheinbar erst viel später aufstehen als man dies bei uns eben so tut (sympathisches Volk! Ich bin auch kein Morgenmensch). Etwas irritiert von den 3-Laprigen Fußgänger*innenampeln erkundeten wir eine wirklich schöne Altstadt mit vielen umweltfreundlichen elektrischen Straßenbahn-Like Bussen. Die Backsteinstraßen hatten auch aus der Fußgänger-Perspektive deutlich weniger Aggresionspotential als aus Auto-Perspektive. Auch die großteils ziemlich asozialen Autofahrer*innen konnten den Eindruck dieser sehr weitläufigen schicken Stadt nicht trüben, wenn sie uns wohl trotzdem, aufgrund der Ereignisse der vorherigen Nacht, mit sehr gemischten Gefühlen in Erinnerung bleiben wird. 


Auch weiterhin sollte der erste Tag der einzige regenfreie Fahrtag bleiben. Nach unserem Zischenstopp im Traku Nationalpark (dessen Ereignisse ziemlich bedeutungslos waren und daher auch nur in dieser Klammer angeschnitten werden) zogen wieder dicke graue Wolken auf, die uns immer wieder auf der durch viele Baustellen geprägten Strecke nach Riga begleiteten. Etwas außerhalb von Riga landeten wir nach einigen verwirrenden Ansagen des Navigationssystems (städtische Straßensysteme sollten von einer Agentur auf „Tourist*innen-Freundlichkeit“ geprüft werden) auf einem wunderschönen Stellplatz der sich „Riverside Camping“ nannte, aber im Gegensatz zum Wiener „Riverside“ tatsächlich direkt am Wasser liegt. Obwohl wir erst spät dort ankamen, konnten wir noch in Ruhe bei hinter dem Hafen untergehenden Sonnenlicht essen, weil die Sonne dort scheinbar einfach nicht untergehen will. 


Von den Camping-Nachbar*innen noch einige Tipps für unsere Weiterfahrt geholt und schon machten wir uns gegen Mittag auf zur Stadtbesichtigung durch Riga, nachdem wir die Tourist*innen-Welle des kurz zuvor eingefahrenen Kreuzfahrschiffes noch abwarten wollten. Riga ist auch eine eher unauffällige Stadt besticht aber im Gegensatz zu Warschau durch eine nette Atmosphäre und einige schöne alte Häuser. Noch schnell das teure Equipment des zur Zeit unserer Besichtigung in der Stadt stattfindenden Film-/Serien-Drehs inspiziert, und schon wurden die Navigationsgeräte am Nachmittag wieder auf das nächst nördlichere Ziel unserer Tour eingestellt: Dem Nationalpark Lahemaa. 

Meinem vorzüglichen (so dachte ich zumindest) Englisch wurden bei der Ankunft auf dem Stellplatz prompt deutsche Phrasen entgegengesetzt, als wir am Abend auf dem Stellplatz beim Nationalpark ankamen. Etwas unfreundlich aber doch, gab die scheinbar deutschstämmige Frau eine Einweisung in das Gelände, bevor wir zum ersten Mal im Vorhinein für den Platz zahlten. Das ist dann wohl die so berühmt berüchtigte deutsche Genauigkeit. 

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