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Tag 6 & 7: Alkohol-Schmuggler*innen und eingestaubte Pfadfinder-Skills

Am Montagmorgen (es ist mittlerweile der 6. Tag der Reise) wollten wir dann auch dem Nationalpark selbst einen Besuch abstatten. Zuerst noch an meinen scheinbar seit den Pfadfinder-Jahren eingestaubten Kartenlese-Skills gescheitert, überraschte uns nach dem Durchfahren eines sehr holprigen und mit zahlreichen Wasserlacken bestückten Waldweges ein Unwetter. Doch all die Unwetter gehen vorrüber und so fanden wir uns nur wenig später in den wunderschönen Wäldern und an den atemberaubenden Küsten des Nationalparks Lahemaa wieder. Dem sogar für unsere Verhältnisse relativ langem Fußmarsch hätte allerdings besser ein ausgiebigeres Mittagessen als Soletti mit Aufstrich vorangestellt werden sollen. Der abendliche viel zu kitschige Sonnenuntergang machte aber sogar das wieder wett. 
Während wird auf einem leeren Parkplatz inmitten des Nationalparks wieder aufwachten, stand die Sonne, die wir gerade noch beim Untergehen beobachtet hatten schon wieder weit über uns. Einige duzend Aufwachminuten und Verfluchungen an den faulen Vergangenheits-Gregor (der am Vortag keine Motivation mehr hatte bei der Kälte das Geschirr abzuwaschen) rumpelten wir über Steine und durch tiefe Lacken zurück auf eine befestigte Straße die uns zu unserer letzten Station führen sollte die wir allein mit dem Auto erreichen konnten. Von Tallin aus soll nämlich Helsinki das nächste Ziel sein und obwohl der VW Bus die tiefen Lacken im Nationalpark gut überstanden hat, wollen wir ihm diese Wasserstrecke dann doch nicht zutrauen. 


Etwas überrascht von dem Vertrauensvorschuss den nicht abgesperrte, einfach frei irgendwo am Supermarktgelände herumstehende Einkaufswägen implizierten, füllten wir (wie wir befürchten) zum letzten Mal zu halbwegs billigen Preisen den Lebensmittelvorrat auf, bevor wir auf dem doch etwas überteuertem Innenstadt-Parkplatz nach einer äußerst umständlichen Halb-Englisch-Konversation (ich dachte ein bissl Englisch ist besser als keins, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher) zustehen kamen. Nach dem Nationalpark konnte mich Tallin nicht so ganz überzeugen, auch wenn man das wohl kaum miteinander vergleichen kann. Tallin darf durch die alten burgischen Elemente etwas historischen Flair für sich beanspruchen, wirkt aber auch teils schon etwas abgefuckt und davon leider die heruntergekommene Variante (für jene wie mich die zwischen „sympathisch abgefuckt“ und „heruntergekommen abgefuckt“ unterscheiden). Bei der Besichtigung stand zuerst die Gedanken-Variante im Raum, die halbe Bevölkerung könne Deutsch sprechen, was aber dann durch ein kurzes Gespräch mit einer deutschen Kreuzfahrtschiffinsassin (die ihre Begeisterung für den Hund einfach nicht zurückhalten konnte).


Nach einigen Schwierigkeiten (niemand am Hafen konnte uns sagen wo man die Fähren-Tickets kaufen konnte, der erste Anbieter hatte für heute keine Plätze mehr frei und dann wurde auch noch meine EC-Karte abgelehnt) fanden wir dann doch ein paar Ticket-Schalter und warteten einige Stunden auf die Abfahrt. Dass Alkohol an hier teuer wird war uns bewusst, was das allerdings bedeutet zeichnete sich erst jetzt ab. Direkt am Hafen war ein relativ großer Supermarkt nur im Gegensatz zu den normalen paar Alkoholregalen, bestand (ungelogen) der halbe Laden Dort aus Spirituosen-Artikeln. Kaum ein Auto schien ohne Alk auf die Fähre zu fahren. Ich kaufte mir dort in der Hoffnung es könnte Kaffee sein Latte-Milch und bin weiterhin entsetzt darüber, dass es hier scheinbar nicht wirklich Dosen-/Tetrapack-Kaffe gibt, was bei allem Qualitätsverlust und Umweltschädlichkeit meine Aufwachroutine wesentlich vereinfachen würde. 


Nachdem mein Reisepass dann noch im Trinknapf des Hundes versenkt wurde (keine Angst, er ist noch heile, also Reisepass, Hund und Trinknapf) durften wir uns schön langsam auf die Fähre begeben. Während das Auto Unterdeck abgestellt wurde begaben wir uns ein bisschen hinauf wo wir wieder zahlreiche Menschen mit hauptsächlich Bier-Paletten herumstehen sahen. Manche hatten sogar ein eigenes Wagerl dabei nur um den Alk zu transportieren. In etwa genauso absurd wirkten allerdings die zahlreichen Spielautomaten die am ganzen Schiff verteilt herumstanden. Dazwischen gab es noch überall überteuertes Essen und Getränke sowie nicht funktionierendes WLAN, aber das ist ja kaum eine Erwähnung wert. Kurz nachdem Alex meinte er habe U-Boote erblickt, die sich später als Inseln herausstellten, machten wir uns auch schon bereit für die Abfahrt (oder Weiterfahrt, wir sind ja auch so gefahren, nur halt nicht selbst, naja) bereit. 


Mit Käsespätzle und nicht alkoholischem (das muss man nach der Fähren-Fahrt schon dazu sagen) Himbeersaft ließen wir den Abend an einem schönen Stellplatz direkt am Wasser ausklingen. 

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