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Tag 8-12: Weiße Hosen und Schwarzer Himmel

Dem morgendlichen Sonnenaufgang (den zumindest ich bisher eh noch nie gesehen habe) folgt die Stadterkundung der finnischen Hauptstadt. Über Felsen am Wasser entlang, über eine Brücke und durch durchwachsenes Industriegebiet hindurch und schon nähern wir uns dem Stadtinneren. Am Weg philosophieren wir noch über die Bewertung der Stellplätze, die wir theoretisch abgeben könnten (was wir aber sowieso nicht tun) und stellen fest, dass unsere Ansprüche viel zu hoch sind um jemals einen 10/10-Stellplatz zu finden. Helsinki präsentiert sich als recht saubere Stadt, was nicht nur an den Schuhputzkonstellationen an manchen Eingangstüren zu erkennen ist. Eine liebevolle Kombination aus Alt und Neu, gespickt mit zahlreichen Büros in den Auslagen (Transparenz!) Verleiht der Stadt ein sehr sympathisches Klima. Nichtmal die ungewöhnlich lang blinkenden Fußgängerampeln hielten uns von der zügigen Stadterkundung ab. Nachdem wir im Park noch einen Möwenangriff auf ein Familienpicknick beobachten konnten, schlenderten wir schon wenig später durch das Hipster-Grafikdesig-Viertel der Stadt. Ein hilfsbereiter Einheimischer erklärte sich in überraschend gutem Deutsch dazu bereit uns noch ein paar Tipps zu geben, bevor wir uns selbst wieder auf den Weg zurück zum Stellplatz machten. Standen wir vorher noch daneben und konnten uns vielleicht doch ein wenig schadenfroh darüber amüsieren, waren wir kurze Zeit später schon selbst die Opfer eines Möwenattentats. Zwar geriet unser Essen nicht in die Finger dieser G’fraster, doch war deren Schrei-Folter kaum zu ertragen, so machten wir uns (wenn auch ursprünglich ein bisschen anders geplant) an dem Tag doch noch auf in Richtung Lahti. Ja dort wo die Sprungschanze ist. Nur leider sind wir da nicht reingekommen. Obwohl unsere Stellplatz-Nachbarin in Riga noch davon geschwärmt hat, man könne einfach so hinein und sich sogar auf den Schanzentisch setzen. Nix da. Wir konnten einfach so rundherum gehen und ein paar Menschen beim Schwimmen im Becken direkt vor der Sprungschanze zusehen. Von dieser Enttäuschung geprägt rafften wir uns nochmal auf und fuhren noch ein paar Kilometer weiter zu einem Parkplatz vor einem Campingplatz. Ethisch bestimmt alles andere als korrekt, aber es war dann schon so spät, dass wir wirklich nicht mehr die Motivation weiterzufahren aufbringen konnten.


Nach den städtisch geprägten letzten Tagen kommt nun mal wieder etwas Abwechslung rein. Next Stop: Nationalpark Repovesi. Doch nicht bevor wir dem am Weg liegenden Supermarkt nicht einen Besuch abstatteten. Erschreckende Erkenntnis: Irgendwie haben die hier keinen Strizel, und wenn, dann sau teuer. Und ich rede da nicht von „ein bisschen sau teuer“ sondern von „sau sau teuer“. Das Ding hätte über 5 € gekostet. Dass wir überhaupt zum Nationalpark gefunden haben ist auch ein kleines Wunder, da das liebe TomTom Navi regelmäßig das GPS Signal verlor. Ernsthaft jetzt: You had One Job! Das Smartphone schafft das ohne Probleme. Aber genug über die Technik gelästert. Im Nationalpark eine Route ausgewählt mit der wir uns (Spoiler!) etwas übernehmen sollten und schon ging es an und über Seen, an und durch Wälder (zumindest jene Bäume die der an dem Tag etwas verspielt aggressive Hund noch stehen lies). Bevor wir uns entschlossen einen Abschneider zu nehmen (der kein Abschneider war) überraschte uns noch ein Kurzgewitter mit der Ankündigung sich schnell wieder zu verziehen. Das massive Gelsenaufkommen könnte dies jedoch leider nicht wirklich verringern und so mussten wir uns weiter über das im Auto vergessene Gelsenmittel ärgern. Kurz nachdem wir die Idee uns durch den Heidelbeerverkauf (das Heidelbeeraufkommen was massiv) die weitere Reise zu finanzieren verworfen hatten, kamen wir auf die Idee nochmal einen Abschneider zu nehmen, der sich (welch überraschung) genau wie der erste Abschneider als Semi-Kletterstück herausstellte und daher auch nichtmal in diesem Text hier die fälschliche Bezeichnung „Abschneider“ tragen sollte. Kurz nachdem ich über den gezählt 5000. Stein gestolpert bin sprach Alex die Worte „Zum Glück hat’s nimma zum regnen begonnen“ und in der Sekunde in der die letzte Silbe durch die Gebirge des Nationalparks hallte, schlugen schon die ersten Tropfen eines Gewitters auf, welches sich wenig später zum Glück als Rohrkrepierer herausstellen sollte. Auch das drohende Military Area Schild am Rande des Weges und die Überquerung eines Sees mit durch Muskelkraft betriebener Fähre, konnten uns dann schlussendlich nicht von der Vollendigung des Weges abhalten. Um noch ein paar Kilometer zu machen suchten wir erst in der kleinen Stadt Savonlinna einen Platz zum stehen. Die kleine Ortsrunde rundete (badumm!) den Tag ab.


Am 10. Tag wurde noch die Ortsrunde vom Vortag fortgesetzt bis wir feststellen mussten, dass wir vor Einlass bei dem Burgmuseum waren (das ist mir Spätaufsteher auch noch nie passiert) und uns der Eintritt eigentlich sowieso zu teuer ist. Hindurch durch viele (hoffentlich nicht geblitzte) Radars haben wir uns aus irgendwelchen mir jetzt nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen eine alte Holzkirche (es gibt mittlerweile kaum einen Ort an dem ich mich unwohler fühle als in einer Kirche) angeschaut. Auch heute stand („heute stand“ gutes Grammatik!) erneut ein Nationalpark am Programm. Doch die Route sollte diesmal nicht so lang sein. Der Nationalpark Koli glänzt vor allem damit, dass man leicht auf seine Gipfel kommt. Was sich leider auf im Volk da oben niederschlägt. Nicht nur ist fast direkt neben den Gipfeln ein Spa, nein auch fanden wir plötzlich duzende Menschen in weißen Hosen und schönen Schuhen auf dem „Gipfel“. Solch eine Abartigkeit ist ja für mich kaum zu überbieten. Entweder man geht auf einen Berg, in anständigen Schuhen und Wanderkleidung, oder man lässt es. Was ist das überhaupt für ein scheiß Klima , dass diese Schicki-Micki-Menschen da oben erzeugen. Wenn ihr schon eure feinen Hochzeitsfotos irgendwo machen wollt, dann bitte nicht in einem Nationalpark, auf einer Wanderroute. Wäh. Grauslich sowas. Naja auf jeden Fall sind wir dann doch noch ein paar Kilometer weiter gegangen, bevor uns mitten am Weg ein Gewitter überraschte. Klitsch-Klatsch-Nass kamen wir am VW Bus an. Vom Ausblick her allerdings hat Koli wirklich einiges zu bieten. Weite und Schöne Ausblicke in die Natur lassen sich von den Gipfeln und Aussichtspunkten gewinnen. Und: Wir haben dort zum ersten Mal auf unserer Tour andere Österreicher*innen gesehen. Wir sind also zumindest nicht die einzigen Verrückten aus der Alpenrepublik die sich sowas antun. Zum Abend hin gab es noch einen kurzen Schockmoment, da das Gaspedal sich kurzerhand einfach ausgehängt hatte und dadurch kein Gas mehr annehmen wollte. Ein bisschen Gaffa-Tape später konnte aber auch dieses Problem schnell gelöst werden. Unplanmäßig geplant blieben wir dann irgendwo auf einem Mini-Schnellstraßenstellplatz ziemlich direkt neben der Straße stehen. Essen und nasses Gewand aufhängen, mehr haben wir dann an dem Tag auch nicht mehr geschafft. 


Der Tag 11 startet mit der Fortsetzung der Fahrt nach Oulu, wo Alex für seinen Hund einen Tierarzt aufzusuchen hatte, um die nötige Bandwurmbehandlung für die Einreise nach Norwegen machen zu können. So dachten wir zumindest. Der Tierarzt widersprach den Informationen im Internet, es ist also doch nicht notwendig. Never Trust se Internet. Die für die Umgebung große, aber objektiv gesehen doch recht kleine Stadt Oulu, überzeugt uns vor allem durch einen ziemlich nicen Outdoor Shop. Aber auch der „Tiger“-Store der ein bisschen an Ikea erinnerte und die Fließbandartige Apothekenabwicklung waren irgendwie verblüffend. Man merkt schon: So viel interessantes gab’s dort nicht. Also ging’s weiter zu dem Ort, an dem das ganze Jahr mein Lieblings-Hass-Kapitalismusfest gefeiert wird: Santa Clause Village. Aber so schlimm wie befürchtet war’s dort dann gar nicht. Kaum etwas hatte offen und die „Attraktionen“ die offen hatten waren jetzt auch nur so halb-kitschig. Umso überraschender war es, das trotzdem einige Reisebussse dort hält zu machen schienen. Wir stellten uns am Rand des Geländes wieder auf einen Parkplatz, wo wir wenig später noch von einigen ändern Campingbussen Gesellschaft bekamen. 


Bis auf die Erkenntnis, dass die in Santa Clause Village super-coole Eisbergartige mega-Tiefe Mülltonnen hatten, gestaltete sich die Abfahrt relativ ereignislos. Der Tag wurde zum Kilometer-Tag erklärt, da das Wetter nicht gerade den Wunschvorstellungen eines „Draußen“-Tages entsprach. Wenige Kilometer vor der norwegischen Grenze hielten wir an einem Parkplatz direkt am Wasser. Die Gegend war wunderschön, die Natur atemberaubend. Nur die vielen Gelsen (ernsthaft Finnland, was hast du für eine Gelsenplage?) und das schlechte Wetter trübten den Eindruck etwas. 

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